Saturday, August 22, 2015

1 "Seeherzen" -Margo Lanagan

Dieses Buch war mein Buchpreis von letztem Schuljahr. Wenn man bei uns einen Eins-Komma Schnitt im Zeugnis hat, kriegt man zusammen mit seinem Preis (für hervorragende Leistungen) einen Buchgutschein geschenkt, und das hier war, was ich mir ausgesucht habe. Heißt, es lag ein Jahr lang rum, bis ich es zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Ha, was für eine disziplinierte Schülerin ich letztes Jahr noch war. Dieses Jahr ist alles in Chaos versunken. Aber das hat nichts mit den Buch zu tun. Das Buch ist wirklich gut.

Normalerweise hasse ich es, fantastische Erzählungen zu lesen, in denen eigentlich nur ganz wenig Magie drin vorkommt. Außerdem von grauem Leben auf einer grauen Insel im grauen Meer... immerhin spielt die Geschichte nicht im Mittelalter, sondern schätzungsweise im 19. Jahrhundert. Normalerweise würde mich eine solche Geschichte überhaupt nicht reizen oder fesseln und allein von der Beschreibung her habe ich mich, als ich es ausgesucht habe, gefragt, warum zum Teufel ich meinen Buchgutschein dafür hergebe. Aber diese Geschichte ist gerade, weil sie sich gar nicht wirklich darum bemüht, besonders fantastisch zu sein, so schön. Margo Lanagan erzählt einfach einen Roman mit einem kleinen fantastischen Element, das ist aber auch schon alles. Aber deswegen war es für mich auch okay, dass es wenig Magie und Merkwürdigkeiten gab. Also, es hat sich wirklich gelohnt, meinen Buchgutschein letztes Jahr dafür auszugeben.

Es geht um eine Insel im Meer namens Rollrock Island, vermutlich irgendwo entlang der britischen Küste. Dort leben Menschen, die zum Großteil sehr vernagelt und sehr veschlossen gegenüber allem sind, was anders ist als sie selbst. Dann gibt es allerdings Misskaella, die das Pech hat, dass sie anders ist als die Menschen auf der Insel und eine besondere Gabe hat. Sie wird ständig heruntergemacht, aber sie lernt auch, ihre Gabe zu nutzen und führt damit auch schließlich eine Art Rachefeldzug gegen die gesamte Insel an, wobei das, was dann passiert, offenbar schon einmal passiert ist. Dabei ist diese Geschichte keine sonderlich actionreiche Erzählung, sondern beschreibt einfach die Entwicklung der Dinge, über einen langen Zeitraum, bis zu Misskaellas Tod, wie sich das Leben auf der Insel immer wieder verändert.
Die Geschichte wird von verschiedenen Erzählern erzählt, die aus völlig verschiedenen Blickwinkeln und mit sehr weit auseinandergehenden Ansichten das Geschehen auf der Insel beschreiben. Manchmal werden Entwicklungen nur zusammengefasst schnell im Rückblick sikzziert, manche Einzelereignisse werden dafür ziemlich detailliert beschrieben. Einige Erzähler haben nur ein Kapitel, drei der Erzähler umfassen eigentlich das meiste der Geschichte, das interessante dabei ist, dass nicht abwechselnd (wie z.B. bei "Das Lied von Eis und Feuer" oder bei anderen Fantasyromane) im Pingpong zwischen verschiedenen Erzählern gewechselt wurde, sondern dass jeder Erzähler nur einen bestimmten Block hat, in dem er aus einem bestimmten Zeitraum heraus die Ereignisse schildert, dann kommt der nächste Zeitraum, der nächste Erzähler, der nächste Block, was schön übersichtlich war, weil man die chronologische Reihenfolge der Ereignisse nicht durcheinanderbringt.

Die Handlungsidee, die am Beginn steht und viele Elemente die dazwischen kommen, sind nicht neu. Trotzdem hat "Seeherzen" wirklich etwas Besonderes auf sich, etwas, das dafür sorgt, dass man die gemächliche Handlung in sich aufsaugt, obwohl Rollrock Island so trist und grau ist, und man dort eigentlich nicht sein möchte. Die Figuren sind greifbar und man kann sich die Handlung wirklich gut vorstellen, weil solche Dinge, vielleicht in etwas andere Gestalt, unter etwas anderen Umständen, auch in unserer alltäglichen Welt passieren. Irgendwie ist auch die ganze Geschichte elliptisch, sie hat also keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende, aber am Ende hat man wirklich eine Erzählung gelesen, mit alltäglichen Ereignissen, einzelnen entscheidenden Geschehnissen und längerfristigen Entwicklungen.

Trotz allem ist die Geschichte nicht wirklich trübselig, wenn auch nicht heiter, sondern weder das eine, noch das andere, etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Sie hat traurige und heitere Passagen, auch wenn die nie wirklich ausgeregt sind. Es gibt auch keine wirkliche Spannung, jedenfall keine sehr große, nur gerade so viel, dass man weiterlesen möchte, vermengt mit einem schönen Schreibstil. Und lustig ist sie auch selten.

Vorhin habe ich etwas geschrieben, das so klingt, als gäbe keine Magie in diesem Buch. Das stimmt nicht. Es gibt sehr wohl eine Art Magie in diesem Buch, aber sie wird nicht, wie in Fantasyromanen ausführlich und fast pseudowissenschaftlich erklärt und ist gleichzeitig aber auch nicht selbstverständlich, sondern etwas, das die Leute mit Misstrauen betrachten und mit allerlei Aberglauben verbinden. Kein Actionmagie, bei der es donnert und kracht und nichts, womit man Schlachten schlägt, sondern eher etwas stilleres, wie eine Kunst, oder ein Handwerk, nur dass es offenbar angeboren ist. Was diejenigen, die im Besitz dieser Gabe sind, zu Hexen macht Ich glaube, das Wörtchen Magie wird nie erwähnt, es wird nur beschrieben, dass Misskaella eine gewisse Gabe hat und was sie bewirkt, es wird vor allem immer beschrieben, was geschieht, aber viel weniger wird erklärt, es wird einfach alles gezeigt und jeder darf sich selbst etwas dazu denken.

Insgesamt finde ich die Geschichte wirklich schön. Ich tue mich wirklich schwer, sie in irgendein Genre einzuordnen. Eigentlich müsste sie einfach ein Roman sein, aber dass sind fast alle Bücher, die ich lese. Ein historischer Roman? Es spielt zwar in der Vergangenheit, aber es werden weder historische Ereignisse oder eine konkrete Zeit angegeben, genau wie der Ort nur diffus angedeutet wird. Dann also Fantasy, aber nur, damit man es halt später auch irgendwo findet. Obwohl es genau das nicht ist. Und wenn ich überlege, gibt es eigentlich keine größeren Fehler, die ich an diesem Buch gefunden habe. Kann man wirklich lesen, solange es nicht total regnerisch ist und man sich einsam fühlt, auch wenn es umgekehrt auch nicht gerade eine Sommerlektüre ist (man kann es, nehme ich an, trotzdem zu solchen Zeiten lesen). Komischerweise ist es auch so, dass es mich überhaupt nicht euphorisch oder aufgeregt macht und mich in keinster Weise aufrüttelt oder erschüttert. Da, sie ist einfach. So ist das Leben und so verhalten sich Menschen.

Wednesday, August 19, 2015

0 "Allerseelenkinder" -Diandra Linnemann

Die Geschichte, wie ich an dieses Buch gekommen ist, ist ja auch schon witzig. Es beginnt mit dem Welttag des Buches, als ich es bei Diandra Linnemann auf ihrem Blog, Diandras Geschichtenquelle gewonnen habe. Halt, nein! Das ist langweilig. Es beginnt damit, dass mein Vater mit mir diskutierte, als ich das Silmarillion las, weil er meinte, ich solle das aber nicht allzu ernst nehmen und das sei ja alles nur unrealistischer Quatsch. Mein Bruder und ich fingen nämlich an, über diverse Begebenheiten in Mittelerde zu diskutieren, wie das denn gewesen sei, ob Arda eigentlich rund ist (Arda war zunächst flach und wurde dann später verwirrenderweise rund) und so weiter und unsere Eltern finden natürlich, dass doch alles vollkommen unfruchtbar und schlecht für ihre Kinder ist (weil da Gewalt drin vorkommt und es unrealistisch ist. Sie schauen aber trotzdem beide ganz gern James Bond mit uns und meine Mutter fand Legolas schon immer total gut aussehend und hat deswegen sogar Herr der Ringe durchgehalten) und solche Diskussionen bloß ins Leere laufen. Vielleicht ist da ja auch was dran, dass man sich nicht so sehr auf fiktiv Welten fixieren sollte, bloß, für mich macht das auch keinen Unterschied, ob man sich auf Fantasien in der realen Welt fixiert oder in einer anderen Welt und wenn ein bisschen Magie drin vorkommt, kann man doch viel schneller unterscheiden, ob etwas real ist, oder? Aber ich schweife ab.
Ich weiß jedenfalls, dass mein Vater zwar schon Jahrelang den "Hobbit" und den "Herr der Ringe" in seinem Regal stehen hatte, aber nie wirklich weit gekommen ist, genausowenig wie meine Mutter bei Harry Potter weiterkam. Und dann sagen die Leute, die nie irgendetwas Fantastisches lesen, dass man da vorsichtig sein muss und sich nicht in fantastischen Welten verlieren darf. Meinetwegen, aber ich persönlich glaube ja, dass sie das sagen, weil sie noch viel mehr Probleme haben, mit Realität und Fiktion um zugehen.

Und dann fragte die liebe Diandra natürlich, aus welchen Grund sie es wem eigentlich überhaupt schicken sollte... Nun ja, das ist doch die beste Begründung, oder? :D
Ich habe es immerhin geschafft, meinem Vater ein verwirrtes Stirnrunzeln beim Auspacken und ein "Soso..." mit Lächeln zu entlocken. Gelesen hat er es immer noch nicht, obwohl es strategisch günstig in seiner Nachttischschublade platziert ist. Allerdings liest er lieber Blogs über erneuerbare Energien und hört Podcasts über Elektromobilität und so weiter, hat also natürlich üüüberhaupt keine Zeit dafür.
Also war es natürlich seeehr verlockend das Buch selber zu lesen. Wie bei Herr der Ringe und Harry Potter. Natürlich habe ich es gelesen.

Helena Weide ist eine Hexe, oder auch "Magic Consultant and Solutions" wenn man nach ihrer Visitenkarte geht. "Allerseelenkinder" ist praktisch ein regionaler Hexenfantasykrimi (naja, es spielt in Bonn, aber Bonn ist abgesehen davon, dass es mal Hauptstadt war vielleicht doch nicht gerade eine Weltstadt), in dem die moderne Welt und die magische Welt wunderbar vermischmascht werden, denn abgesehen davon, dass sich Magie und moderne Technik nicht immer ganz vertragen (wie immer in Fantasyromanen) geht es in dem Buch unter anderem um die Integration von nicht-menschlichen Wesen in unsere Gesellschaft, um das eindämmen von Zombieseuchen (Die waren mal Bestandteil von postapokalyptischen Geschichten, dürfen inzwischen aber überhaupt in jedem Buch auftreten) und nebenbei noch jede Menge wahr gewordene Esoterik.
Helena ist so etwas wie ein Privatdetektiv für Fälle, die irgendwie mit Magie zu tun haben (und außerdem Totenbeschwörerin) deswegen wird sie vom Bonner Bürgermeister höchstpersönlich beauftragt, einen Fall zu übernehmen, in dem es um eine verschwundene junge Hexe geht, die gerade schwanger war. Dabei ermittelt sie auf alle möglichen Weisen.

Zuerst mal, ich fand die magische Welt super. Die Zusammensetzung von stinknormalen Elementen und Magie, in einer Welt, in der Letztere eine vollkommen normale Erscheinung ist, die jedermann ein Begriff ist. In der eben auch Feen kriminelle Jugendliche sein können und alles zwar nicht besser, aber auch nicht apokalyptisch schlechter ist als in der Realität.
Helenas Erzählstimme ist super und bringt einen wirklich nett zum Lachen, weil sie ironisch ist, ohne total pessimistisch zu sein und weder Superwoman ist, noch wirklich abgestürzt ist, sondern einfach eine  durchschnittliche Frau, die neben dem übernatürlichen Kram auch das eine oder andere ganz normale, alltägliche Problem hat (auch wenn es nicht immer Probleme sind, die ich habe. Ich habe Schüler und Teenagerprobleme, Helena hat Erwachsenenprobleme) mit dem man leben muss. Dadurch ist "Allerseelenkinder" wunderbarerweise keine Superheldengeschichte, sondern eben ein netter kleiner Krimi, in dem nicht gleich die Welt untergehen (und dann gerettet) muss, damit etwas passiert. Praktischerweise bekommt sie für ihren Auftrag von der Bonner Stadtverwaltung einen Häftling namens Falk aus einer Arbeitsanstalt (in der Sträflinge als Zombiepfleger arbeiten müssen, weil das eine hochriskante Arbeit ist, die niemand machen will) als Bodyguard gestellt.

Das Wahrwerden lassen von esoterischen Praktiken war...nicht schlecht und hatte schon etwas, allerdings ist das irgendwie keine Magie, die ich voll und ganz ins Herz schließen kann, auch wenn es natürlich auch ein bisschen witzig ist, wenn irgendwelches Zeugs, das ich (so ähnlich, nicht exakt das gleiche) mit elf Jahren wirklich mal selber ausprobiert habe. Weil meine Tante so ein Hexenbuch besaß ("Kithara. Das geheime Wissen einer modernen Hexe") und ich es, wie alle Bücher von Verwandten, bei denen ich wusste, dass ich wusste, dass die eh nicht gelesen und schon gar nicht vermisst werden, einfach mitgenommen habe (ich war praktisch die Bücherdiebin meiner Familie. Inzwischen mache ich das nicht mehr so selbstverständlich, aber die alten Bücherregale meiner Tanten im Haus meiner Oma wurden nicht nur von mir, sondern auch von meiner Cousine so gründlich geleert. So werden die wenigstens gelesen). Trotzdem, esoterische, weiße Magie mit Bannkreisen und Pentagrammen... ich bin einfach nicht der größte Fan davon.
Daneben muss gesagt werden, dass Helena Weide bei ihren Ermittlungen ziemlich oft kreuz und quer durch die Gegen fährt und dabei aber letztendlich wenig erfährt und das Gefühl hat, dass vieles, was sie tut doch etwas sinnlos ist, wie zum Beispiel eine Nacht, in der sie mit anderen Hexen ein Ritual durchführt, von ihrem Bodyguard Falk vorher einen Selbstverteidigungs-Crashkurs erhält, weil er Angst hat, dass ihr etwas passieren könnte, dann passiert etwas, ohne dass Helena sich irgendwie selbt verteidigen müsste, und das Ergebnis für die Ermittlungen ist eigentlich nicht viel, weil sie nur etwas erfährt, das sie eigentlich zum Großteil schon weiß und einem die ganze Aktion etwas sinnlos erscheint.
Genau das Gleiche mit der Pressekonferenz und ganz vielen anderen Gesprächen, denn am Ende ergaben sie durchaus ein wenig Sinn. Das Problem war, dass dann das Ende plötzlich wie zufällig ergeben schien, als ob der ganze vorherige Kram unnötig gewesen wäre. Am Ende werden Helena und Falk fast wie von selbst an den Ort geführt, den sie suchen.
Die Auflösung, wozu das ganze passiert, ist unerwartet ungewöhnlich und interessant. Allerdings fand ich die Idee dann doch etwas zu seltsam, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass es eine saubere Auflösung war. Die Auflösung war so überraschend und seltsam, dass es dann doch nicht ganz recht gepasst hat, nicht so, dass es sich befriedigend anfühlte für mich. Also gab es zusammengefasst schon ein paar Sachen die ich zu bemängeln hätte. Aber das war's eigentlich schon.

Die Welt in der das ganze sich abspielt war aber wunderbar und das Lesen hat Spaß gehabt, außerdem ist das Buch eine erfrischende Abwechslung zu normalen Fantasybüchern die man sonst aufgetischt bekommt, also... kann ich abschließend eigentlich sagen, dass ich es jedem weiterempfehlen kann, der gerne etwas verrücktere Charaktere mag, etwas mit Indiebüchern anfangen kann und überhaupt ungewöhnliche Fantasyausschläge sympathisch findet. Wer unbedingt auf eine ganz ausgefeilte Handlung hofft oder mit ungewöhnlicher Fantasy abseits von mittelalterlichen Elbenwelten und vampirigem Urban Fantasy nichts anfangen kann ist hier halt nicht bedient, aber darauf kann man, finde ich, auch mal verzichten, wenn man einfach mal ein bisschen lachen und sich in eine andere Welt entführen lassen möchte.

Sunday, August 16, 2015

4 Mein allererster Manga: "Death Note 1"- Tsugumi Ohba und Takeshi Obata

Das ist der erste richtige Manga, den ich in meinem Leben gelesen habe. Oder überhaupt der erste Manga, wie man's nimmt. Ihr könnt euch denken, dass ich mich mit Mangas nicht so auskenne, meine Mutter ist Chinesin und hat mich eigentlich ziemlich zuverlässig von allem was aus Japan kommt ferngehalten... so viel also zu interkultureller Offenheit und Kompetenz.

Ich muss also erstmal dem Geschmack meiner kleinen Bibliotheksfreundin vertrauen, denn ich habe absolut keine Ahnung, wie Death Note im Vergleich anderen Mangas ist und was jetzt an diesem Manga speziell und was typisch ist und wie er überhaupt im Vergleich zu anderen Mangas steht. Ich musste ja nochmal nachgucken, wie denn überhaupt der Zeichner heißt, den Namen konnte ich mir nicht merken. Und ich habe das Buch natürlich erstmal vom falschen Ende her (also von Links) gelesen, obwohl eigentlich jeder Bescheid weiß, nur wenn man das Ding in der Hand hält, macht man den Fehler dann doch. Also lassen wir den Teil weg und springen gleich zu Handlung, Stimmung und wie ich die Zeichnung rein ästhetisch betrachtet fand.

Ich fand das Ding ziemlich düster. Nicht alle Mangas sind nur schwarz-weiß, oder? Ich finde das ja schon anstrengend im Vergleich zu Asterix, wo einfach alles schön bunt koloriert wird. Aber passt zur Story, die ebenfalls düster ist.
Ein Heft (also das sogenannte "Death Note"), durch das man Menschen umbringen kann, indem man ihre Namen darin einträgt? Mit dem man sogar Todesursache und -zeitpunk bestimmen kann? Und dann benutzt ein siebzehnjähriger japanischer Schüler es, um Schwerverbrecher zu bestrafen und handelt sich natürlich damit weltweite Aufmerksamkeit der Polizei und einen Gegenspieler namens L ein. Die Handlung ist schon allein durch das kontroverse Thema (Darf man einen Menschen töten, selbst wenn er Böses getan hat? Ist man böse, wenn man man einen Verbrecher tötet?) ziemlich spannend und das Ende ist ein nervenzerreißender Cliffhänger; man will eigentlich sofort danach weiterlesen und kann aber nicht. Was natürlich schon an die Grenzen des Erträglichen ging, denn "Death Note" hängt allein an seiner Spannung.
Wie bei jedem Comic bin ich ziemlich durch die Geschichte geflogen und hatte ihn schnell durch, was natürlich an der Bildergeschichte an sich, aber auch an der Handlung lag, die so aufgebaut ist, dass man unbedingt wissen will, was als nächstes passiert. Die Zeichnungen haben auch ihren Vorteil, zum Beispiel gibt es wie in einem Film diese typischen Teaser-Szenen, in denen man den geheimnisvollen Gegenspieler im Schatten und von hinten sieht, aber natürlich nicht erkennen kann und die ganze Zeit rätseln muss, um wen es da eigentlich geht. Ob das gut oder schlecht ist, schwer zu sagen.
Man ist auch so in der Spannung gefangen, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, ob einem die Charaktere sympathisch sind, oder nicht (Light Yagami ist ein Spitzenschüler, der natürlich alles kann und superintelligent ist und so weiter und bei Ryuk, dem Todesgott dem Light das Death Note überhaupt verdankt, mag ich das Charakterdesign einfach nicht so. Zu ekelhaft gruselig, zu schweres Ohrgehänge und zu protzige Kluft. Das liegt aber bloß an meinem persönlichen Modegeschmack, und daran, dass ich eine Streberin bin, die es immer höchstens schafft, Nummer zwei zu werden, obwohl sie an der Spitze stehen will und dieses Jahr ein ernüchterndes Zeugnis himgebracht hat, das heißt natürlich ernüchternd, weil ich keinen Eins-Komma Schnitt in diesem Jahr geschafft habe.) sondern einfach mitfiebert. Sind grade alle mitgekommen? Wenn nicht, könnt ihr diesen Absatz einfach nochmal lesen.

Was ich zu den Zeichnungen sagen möchte, ist dass ich sie, von den Todesgöttern abgesehen, die absichtlich ekelhaft gezeichnet sind und den Verbrechern, die alle irgendwie ein bisschen hässlicher sind, fast alle viel zu perfekt gezeichnet finde, irgendwie sehen Light, seine Familie, seine Klassenkameraden und Freunde, die Mädchen (besonders die) und selbst die meisten Polizeibeamten, die nicht unbedingt perfekt gezeichnet sind, trotz allem zu glatt. Liegt natürlich an Mangas allgemein. Irgendwie sind die immer leicht idealisiert, gerade weil die Zeichentechnik so "einfach" ist (jetzt mal in Anführungsstrichlein, weil ich selber nicht so toll Mangas zeichnen kann) sehen die nicht nach echten Menschen aus...

Ansonsten finde ich das Thema auch ziemlich interessant, weil es so komplex ist und, gerade weil es quasi aus der Perspektive des Scharfrichters erzählt wird, der die Menschen tötet. Allerdings gibt es natürlich auch Stellen wo Light einfach viel zu überzeugt davon ist, dass er durch seine Morde das Richtige tut.
Er rechtfertigt seine Morde ja damit, dass er dabei nur Schwerverbrecher tötet, Menschen denen keiner nachtrauert und die der Welt vor allem Schaden. Ich meine, ich kann den Grundgedanken dahinter verstehen, aber sollte lebenslängliche Haft im Zweifelsfall nicht ausreichen? Zumal es den Verbrechern erstens doch eigentlich eine schlimmere Strafe ist, jahrelang in Gefangenschaft vor sich hinzubrüten sie zweitens dadurch eine echte Chance bekommen, über ihre Verbrechen erstmal nachzudenken und man drittens im Fall der Fälle damit keinen Unschuldigen umbringt, falls die Beweislage sich doch ändert, oder? So intelligent kann Light also auch nicht sein.

Thursday, August 13, 2015

2 "Das Geheimnis von Bahnsteig 13" -Eva Ibbotsen (Und J.K. Rowlings kleines Nicht-Geheimnis)

Dass der Bahnhof King's Cross in London etwas besonderes auf sich hat, das wisst ihr ja schon (zumindest diejenigen die Harry Potter gelesen haben und das sind ja nicht wenige, oder?). Wusstet ihr aber auch, dass sich alle neun Jahr auf der Herrentoilette von Bahnsteig 13 ein Gügel in eine andere Welt öffnet? Und kommt euch das nicht auch bekannt vor?
Falls ja: Es ist kein wirkliches Geheimnis, dass dieses Buch eine der wichtigsten Inspirationen für J.K. Rowling war, Harry Potter zu schreiben. Es wurde etwa drei Jahre vor Harry Potter geschrieben.

Wegen der deftigen Parallelen ist es auch richtig schwer, irgendetwas über die Handlung preizugeben, ohne gleich heftig zu spoilern. Aus kleinen Details lässt sich eigentlich schon ziemlich gut die Handlung vorhersagen... Interessant, wie viel J.K. Rowling einfach übernommen hat und wie wenig es trotzdem stört, weil die Geschichte letztendlich doch irgendwie anders ist.

Es öffnet sich also alle neun Jahre der Gügel, der auf eine Zauberinsel führt, genau neun Tag lang. Einmal wird dabei allerdings der kleine Königssohn der Insel entführt (der gerade mal ein Jahr alt ist) und erst neun Jahre später kann man ein Rettungsteam in unsere Welt schicken, um den Prinzen zurückzuholen. Dabei stellt sich aber vieles gleich komplett anders dar, als es wirklich ist und eigentlich ist alles sehr verwirrend und täuschend, allerdings sind die Wendungen und Spannungsbögen in diesem Buch leider schon vorhersehbar, wenn man Harry Potter gelesen hat. Zu viele Ähnlichkeiten. Man kann ziemlich gut herauslesen, was alles aus diesem Buch stammt. Wobei eigentlich die gesamte gröbere Handlung von diesem Buch bei Harry Potter nur den Ausgangspunkt der Geschichte darstellt.
Man findet die Themen aus diesem Buch vor allem in den ersten zwei Harry Potter Bänden, also "Harry Potter und der Stein der Weisen" und "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" wieder, das heißt die liebe J.K. hat später mehr auf eigenen Ideen aufgebaut, oder die Ideen von woanders hergenommen.
Ich würde nicht sagen, dass sie geklaut hat. Es gibt auch Dinge, bei denen die Harry Potter Bücher und dieses Buch mit seinen läppischen 222 Seiten wirklich verschieden sind, schon angefangen bei der Grundstimmung, die bei Harry Potter ja einen sich immer weiter entwickelnden Hang zu düsterer Stimmung entwickelt.
J.K. Rowling hat im Vergleich deutlich stärker auf klassische griechische und ein bisschen keltische Mythologie zurückgegriffen, etwas das in "Das Geheimnis von Bahnsteig 13" nicht so sehr zu finden ist, da gibt es halt Feen, Riesen, Zauberer, Hexen, Wassermänner, Nymphen und Harpyien die alle magisch sind, aber alles nicht so verwissenschaftlicht. Und es gibt weniger (pseudo)lateinische Begriffe und dafür mehr Magie, die einfach so passiert. Meine persönlichen Déjà-vus waren die Geister vom Bahnsteig 13 und die Harpyien, die mich aber an nichts aus Harry Potter, sondern zufällig an die Furien aus den Percy Jackson Büchern erinnern. Ich könnte wetten, dass Rick Riordan dieses Buch auch gelesen hat. Eigentlich sollte ich mit den Vergleichen langsam aufhören, aber wenn dieses Buch quasi der Geburtshelfer für Harry Potter war, dann lässt sich das einfach nicht vermeiden.

Interessant fand ich, dass die magische Welt und die reale Welt sich viel mehr durchdringen. Die Geister von Bahnsteig 13 sind keine außergewöhnlichen Zauberer mit seltsamen Namen, sondern solche Geister, die einmal stinknormale Menschen waren, Gepäckträger, Putzfrauen und Schalterfräuleins, Leute die eben auch nach dem Tod noch ihre Zeit am Bahnhof verbringen aber keine Adelstitel tragen. Die Wassermänner arbeiten in unserer Welt in der Kanalisation, Hexen in Schulküchen und alte Zauberer sind nebenbei noch hauptberufliche Chemielehrer und es gibt einen Troll, der im Keller der Bank of England lebt. Dadurch hatte ich viel mehr ein Gefühl von Echtheit zwischen den Seiten zu finden, weil die Zauberwelt eben nicht so klinisch getrennt war von der vollkommen normalen, unmagischen Welt.
Genau wie in den meisten besseren Kinderbüchern (ich finde die typischen 08/15 Kinderbücher in den deutschen Buchhandlungen zu 90% viel zu vereinfacht und seelenlos und Bücher wie Pippi Langstrumpf und eben dieses Buch sind eine wunderbare Abwechslung.) werden auch schon ernstere und härtere Themen besprochen und auch schon schwierigere Situationen geschildert, die ja eigentlich was Jugenschutz angeht totaaal grenzwertig sind, aber die man meine Meinung nach so stehen lassen kann.

Für Harry Potter Fans wird dieses Buch auf jeden Fall interessant sein... wobei es natürlich für den einen oder anderen J.K.Rowling-Verehrer ein kleines bisschen die Welt zerstören könnte, wenn er merkt, dass doch nicht alles so originell ist, wie man glaubt. Und ist für diejenigen, die bei diesem oder anderen  Büchern immer gleich schreien, es sei von Harry Potter abgeschrieben, meiner Meinung nach ein Schlag in die Fresse, denn nicht alles was ähnlich klingt oder auf ähnlichen Ideen basiert, muss  gleich komplette Nachmache sein.

Für Leute, die mit Harry Potter nichts anfangen können, kann ich dieses Buch aber ebenfalls empfehlen, ganz unabhängig davon, zumindest denen, die nicht zu alt für Kinderbücher sind (das heißt eigentlich: Jeder und alle) den es ist ansonsten eine wirklich schöne Geschichte. Vielleicht ist es dann auch nicht ganz so vorhersehbar, zumindest, wenn man noch nicht komplett abgebrüht und abgestumpft ist.